Die Geschichte der Korporation(en)
 

    Allgemeine Geschichte der Studentenverbindungen

Studentische Verbindungen sind Gemeinschaften von (meist männlichen) Studenten (und Akademikern im Beruf), deren Grundsätze und Umgangsformen meist noch von Traditionen vor allem aus dem 18. und 19. Jahrhundert geprägt sind. Die ältesten studentischen Verbindungen an den Hochschulen des deutschen Sprachgebietes waren Zusammenschlüsse von Landsleuten zu gegenseitiger Hilfe (Landsmannschaft). Im 18. Jahrhundert entwickelten sich diese zu festen Korps und setzten sich gegen die studentischen Orden durch. Aus der nationalen Bewegung der Freiheitskriege entstanden die Burschenschaften, die von den Regierungen der deutschen Bundesstaaten lange Zeit verfolgt und verboten wurden. Etwa seit 1840 entwickelten sich in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz studentische Verbindungen der verschiedensten Richtungen, v.a. Turnermannschaften, Sängerschaften, musikalische Verbindungen, katholische und wissenschaftliche Verbindungen u.a. Verbände. Die sich seit Ende des 19. Jahrhunderts etablierenden akademischen Frauenverbände waren meist als nicht farbentragende studentische Verbände organisiert (Zusammenschluß zum "Verband der Studentinnenvereine Deutschlands", 1906 - 33). Der nationalsozialistische Versuch, studentische Verbindungen als Kameradschaften in den Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB) und ihre Altherrenschaften in den Nationalsozialistischen Altherrenbund einzugliedern, hatte nur teilweise Erfolg. Die meisten der zwischen 1934 und 1938 aufgelösten Verbindungen wurden nach 1950 in der BRD und in Österreich wiedergegründet.
Nach der deutschen Kapitulation und dem Kriegsende kam es schon im Herbst 1945 wieder zur Aufnahme der Lehrtätigkeiten an den Universitäten. Der Neuanfang aus den Trümmern, die Verarbeitung der Schrecken des Krieges und die Bewältigung der Geschehnisse in den Konzentrationslagern, dazu die elende materielle Lage, die das reine Überleben fraglich werden ließ, all dies kennzeichnete das Leben in den ersten Nachkriegsjahren. Dennoch stieg die Zahlen der Studenten an den Hochschulen der späteren Bundesrepublik schon bis 1948 auf ein weit höheres Niveau als in der Weimarer Republik. Dieser starke Andrang hielt in der gesamten Nackkriegszeit an.
    Die Geschichte der T.V. Widukind zu Iserlohn
Der Gedanke zur Gründung einer Gemeinschaft in irgendeiner Form tauchte bereits im Herbst des Jahres 1950 auf. Im Frühjahr 1951 nahm dieser Gedanke dann Gestalt an, indem das damalige 2. Semester der Staatlichen Ingenieurschule Iserlohn beschloß, eine Verbindung zu gründen, ohne an die heutige Form zu denken. Baurat Meyer, der besondere Sympathien zu dem damaligen Semester zeigte und zu diesem Semester ein besonderes Vertrauensverhätnis besaß, wurde darum gebeten, den Standpunkt zu dem Entschluß einer Verbindungsgründung mitzuteilen. Die Technische Verbindung Widukind zu Iserlohn gründete sich somit am 6. April 1951 und erklärte Gold - Rot -Weiß zu ihren Farben, den Farben der eigenen Korporation. Hierzu sei erwähnt, daß die Anordnung dieser drei Farben der umgekehrten Reihenfolge der Farben der Stadt Iserlohn entspricht. Ergänzend dazu muß gesagt werden, daß im Jahre 1950 an der SISI (Staatliche IngenieurSchule Iserlohn) bereits eine Verbindung bestand. Diese Verbindung hatte sich den Namen "Westfalia" gegeben und beschränkte sich auf das damalige 4. Semester. Als man sich nach der Gründung der T.V. Widukind entschloß, Nachwuchs aus den unteren Semestern heranzuziehen, waren die damaligen Aktiven bereits im 5. Semester und die "Westfalia" bestand nur noch kurze Zeit. Zur Entschuldigung der Gründer muß hier aber gesagt werden, daß genau wie bei der T.V. Widukind hier nur der Gedanke Pate gestanden hat, eine Verbindung zu schaffen, die nach Verlassen der Schule den Kontakt unter den Semesterkollegen weiterpflegt.Von anderer Seite war man jedoch kein Freund einer Verbindung und um allen Hindernissen aus dem Weg zu gehen, entschloß man sich zur Gründung einer "Kulturvereinigung der Studierenden der Staatlichen Ingenieurschule Iserlohn". Die Gründerversammlung fand im "Deutschen Haus" in Iserlohn statt. An dieser Stelle möchten wir nicht versäumen, den Mann zu erwähnen, der durch seine Tatkraft entscheidend dazu beigetragen hat, daß es überhaupt zu einer Verbindung kam, von dem auch die wichtigsten Anregungen ausgingen, Herr Heinz Lenze.
Zum 15. Stiftungsfest (13. - 15. Mai 1966) schrieb der damalige AH-Präside: Was war unsere T.V. Widukind vor fünfzehn Jahren? - Eine Kulturvereinigung, geschaffen von Studierenden der damals jungen Ingenieurschule Iserlohn. Zweck dieser Vereinigung war zunächst eine gesellschaftliche Form zu finden, welche es ermöglichte, während des Studiums - und vor allen Dingen nach Verlassen der Schule - Kontakt zwischen Gleichgesinnten zu pflegen. Ohne Vorbild und Tradition entwickelte sich die Kulturvereinigung schon bald zu einer technischen Verbindung, die durch Heranziehung von jüngeren Kommilitonen und durch Niederlegung einer Satzung zu ihrer jetzigen Linie fand.
Somit wurde eine Novum in der studentischen Geschichte Iserlohns geschaffen. Es hat sich in der damaligen Vergangenheit gezeigt, daß eine solche Zeitspanne ausreichend war, um einen harten Kern zu festigen und zu stärken, daß dem weiteren Wachsen, Blühen und Gedeihen (vivat, crescat, floreat) nichts mehr im Wege stand.
Trotz aller guten Absichten und positiver Vorsätze kam es im Jahre 1973 zur Inaktivierung der Korporation. Durch die Motorisierung, welche die Studenten nicht mehr an die Hochschulstadt band und ein schwindendes Interesse am studententischen Verbindungswesen, war keine Aktivitas mehr vorhanden und somit ein aktives Verbindungsleben im Sinne des Fortbestandes der T.V. Widukind nicht mehr möglich. Erst 1988 - in diesem Jahr wurde auch die Märkische Fachhochschule zu Iserlohn gegründet -  ließ man den Korporationsgedanken wieder neu aufblühen und reaktivierte in Wickede/Ruhr unter der Federführung von Dieter Korweslühr al. Schlaxi die T.V. Widukind, hauchte ihr neues Leben und eine junge Aktivitas ein. Bis heute wird diese Aktivitas, natürlich mit einer anderen Chargenbesetzung, weitergeführt.